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Laudatio v. Georg Dürrschmidt, Landrat des Landkreises Oberspreewald-Lausitz

Verehrte Vorsitzende, liebe Edelgard,
sehr verehrter Herr Oberbürgermeister,
liebe Mitglieder des PWV Gimmeldingen,
liebe Wanderfreunde und Freunde des Wanderns,

es ist mir eine Freude, dass mir heute Abend die Ehre zuteil wird, zum Anlass dieser Festveranstaltung, die Laudatio zu halten. Bei einer Laudatio, also Lobrede, erwartet natürlich der Laudat, das ist der zu Lobende, dass man voll des Lobes (laudis) ist. Und ich kann mir durchaus vorstellen, dass es so manchem Laudator, also dem Lobredner, während der Vorbereitung zu seiner Laudatio den Schweiß auf die Stirn treibt, weil er ja laudatus (loben) soll und jedermann auch nur Laudis erwartet.

Ich hatte es diesbezüglich eher einfach. Denn, um es auf den Punkt zu bringen, 100 Jahre Pfälzerwald Verein Gimmeldingen, das ist eine Erfolgsgeschichte. Eine Erfolgsgeschichte, die sich vor allem stützen kann, auf starke Männer und seit einiger Zeit auch Frauen, die auch in schwierigen Zeiten und gerade in schwierigen Zeiten, das Heft des Handelns in die Hand nehmen, sich der Verantwortung stellen und mit Mut und Beherztheit andere zum Mittun motivieren.

Nun möchte ich hier keine geschichtliche Abhandlung vortragen, über 100 Jahre durchaus interessanter Vereinsgeschichte zu referieren würde schlichtweg den zeitlichen Rahmen sprengen. Dennoch sei mir ein kleiner Rückblick gewährt, ohne jedoch den Anspruch auf Vollständigkeit zu erheben.

Begonnen hat alles mit Fritz Köhler. Er hat am 7. Februar 1906 eine Liste aufgelegt in die sich bereits nach wenigen Tagen 25 Personen eingetragen hatten, so dass am 10. Februar 1906, also 3 Tage später, die Gründungsversammlung abgehalten werden konnte.
Der Grund dafür war, dass man bis dahin der bereits 1904 gegründeten Ortsgruppe Mußbach angehörte, dort in der Minderzahl war, keine Anträge durchbrachte und im Grunde genommen bei Versammlungen überhaupt nicht gehört wurde.
Insofern gilt den Mußbachern für ihr Verhalten unser ausdrücklicher Dank, ansonsten gäbe es heute keinen Grund zum feiern.

Fritz Köhler war dann auch der 1. Vorsitzende des PWV und die Vorstandschaft setzte sich zusammen aus dem Rechner Michael Wiedemann, Heinrich Lingenfelder als Schriftführer, die Herren Michael Krämer und Heinrich Wächter wurden als Beisitzer gewählt.

Zum Wandern bevorzugte man aber nicht immer den Pfälzer Wald sondern unternahm auch große Touren, in die Vogesen und ins Saarland.
1908 hatte die Ortsgruppe bereits 57 Mitglieder, für die damalige Zeit eine beachtliche Zahl.

1908 war auch das Jahr in dem  auf dem Weinbiet zum ersten Mal Wein und Limonade ausgeschenkt wurde. Im Turm wurde ein verschließbarer Raum eingerichtet und sonntags konnten sich ab sofort die Wanderer dieser „fliegenden Wirtschaft“ bedienen. Der Zuspruch war groß und so beschloss man eine feste Unterkunftshütte auf dem Weinbiet zu errichten. Ein Schuppen aus Niederkirchen, für 280 Mark gekauft, wurde durch den Zimmerermeister Babelotzki umgebaut und auf dem Weinbiet aufgestellt. Der Schuppen war später ein Seitenanbau an das Weinbiethaus und wurde aber wegen Baufälligkeit 1965 abgerissen.
Die damalige Entscheidung einen Ausschank auf dem Weinbiet zu eröffnen war goldrichtig. Dieser Ausschank stellte bereits damals eine wesentliche finanzielle Einnahmequelle für den Verein dar und so konnte man zwischen 1926 und 1928 das eigentliche Weinbiethaus errichten, was im Grundkörper ja auch heute noch so erhalten geblieben ist. 18.000,00 Mark Bausumme als Darlehn, davon 4000,00 Mark, also mehr als 25 % der Bausumme, in Form von gezeichneten Anteilsscheinen der Mitglieder.
Hier zeigte sich bereits, wie geschlossen und entschlossen auch die Mitglieder hinter ihrem Verein standen. Sie konnten von der Idee überzeugt werden und haben ihr Erspartes gegeben um dem Verein zum Erfolg zu verhelfen. Der Ertrag der Weinbietwirtschaft stieg von Jahr zu Jahr und bereits 1942 war das Darlehn getilgt, die Anteilsscheine eingelöst und der Verein war wieder schuldenfrei.

Aber, der 2. Weltkrieg und die Nachkriegszeit, gingen auch am PWV Gimmeldingen nicht spurlos vorüber. Durch ein Kontrollratsgesetz wurde der Verein aufgelöst und alles Vermögen beschlagnahmt. Erst 1949 wurde dem Verein, nach Wiedergründung, ein kahles und völlig ausgeplündertes Weinbiethaus zurückgegeben. Und diesmal waren es vor allem die Mitglieder um Johann Entz, dem damaligen 1. Vorsitzenden, die mit bescheidenen Mitteln in der Nachkriegszeit und mit viel Engagement und ehrenamtlichen Einsatz mit der Instandsetzung begannen.

Dass der Tüchtige belohnt wird, zeigte sich durch den Glücksumstand, dass 1952 der Weinbietsender gebaut und die Wetterwarte errichtet wurde. Ein Glücksumstand in vielerlei Hinsicht, wenn mir die Bemerkung erlaubt ist, denn der Bau des Weinbietsenders hat nicht nur dafür gesorgt, dass der Fahrweg hergerichtet wurde und die Lieferanten nun bis an das Haus fahren konnten, nicht nur, dass das Weinbiethaus an die elektrische Versorgung und die Wasserleitung angeschlossen werden konnte und somit das mühsame Wasserholen vom Loosenbrunnen künftig entfiel, sondern das Schicksal und die künftige Entwicklung des PWV Gimmeldingen wurde dadurch viele Jahre später entscheidend beeinflusst und bis zum heutigen Tag geprägt. Zur Zeit des Senderbaus hätte sicherlich niemand gedacht, dass ein Stahlbaumonteur aus dem Ruhrpott, der bis heute nicht der pfälzischen Sprache mächtig ist und pfälzisch nur versteht wenn er es verstehen will, die Geschicke des Vereins so nachhaltig beeinflussen würde. Friedrich Dürrschmidt, einer der 5 Monteure, hat sich in ein Pfälzer Mädel und in die Pfalz verliebt und so kam es, obwohl er nie etwas mit Wandern am Hut hatte, dass über ¼ der bisherigen 100 jährigen Vereinsgeschichte in seiner unmittelbaren oder mittelbaren Verantwortung liegen, bis zum heutigen Tag, an dem seine Tochter die Vereinsgeschicke lenkt und ich als sein Sohn vor Ihnen stehen darf.

Unter seiner Führung hat sich der PWV Anfang der 80er Jahre wesentlich stabilisiert und große, mutige und kostenintensive Investitionen getätigt. Alleine der Bau der Wasser- und Abwasserleitung, entlang des alten Telgraphenpfades, gemeinsam mit dem Süd-Westfunk und der Bundeswehr hat den Verein vor eine große finanzielle Herausforderung gestellt. 220.000,00 DM, fast eine Viertelmillion Investitionssumme allein der Anteil für den PWV, waren eigentlich für den Ortsverein gar nicht darstellbar. Dennoch ist dieses Mammutprojekt gelungen und darüber hinaus wurde bereits 2 Jahre später das Weinbiethaus erweitert, erhielt einen neuen Sanitärtrakt und die Terrasse und das Umfeld wurden neu gestaltet. Die neuerliche Investitionssumme belief sich nun auf zusätzliche sage und schreibe gigantische 420.000,00 DM. Dies alles war und ist aber nur möglich, wenn sich um die Führungskräfte herum engagierte Mitglieder scharen, die die Ideen teilen und sich mit großem ehrenamtlichem Engagement an der Vereinsarbeit beteiligen. Alleine in der letzten großen Umbauphase des Weinbiethauses wurden 2326 freiwillige Arbeitsstunden geleistet. Friedrich Dürrschmidt und Herbert Lasch, diese beiden Namen darf man getrost, nein muss man sogar herausstellen, waren in der Umbauphase 1 Jahr lang fast jeden Tag auf dem Weinbiet, eigentlich  jeden Tag und kamen gemeinsam mit Roland Wipprecht, dessen Einsatz in der Zeit ebenso herauszustellen ist, auf 1507 Arbeitsstunden. Sie stehen vertretungsweise für viele viele Helfer, ohne deren Hilfe ein solch mutiges Projekt nicht möglich geworden wäre. Gerade die ehrenamtliche Tätigkeit ist mit der Schlüssel zum Erfolg dieses Vereins.
Während meiner Recherche ist mir Eines deutlich aufgefallen, ich sprach eingangs von einer Erfolgsgeschichte.

Es ist deshalb eine Erfolgsgeschichte weil sich der Verein auf 3 wesentliche Säulen stützt, egal zu welcher Zeit. Eine solide finanzielle Grundausstattung, eine starke Vereinsführung mit Weitsicht, Beständigkeit und dennoch Mut zu Neuem, sowie engagierte Vereinsmitglieder deren ehrenamtliche Tätigkeit und ihr unermüdlicher Einsatz nicht hoch genug zu würdigen ist. Ihnen allen sei dafür herzlich gedankt.

Nun kam bisher in meiner Rede die eigentliche Aufgabe eines Pfälzer Waldvereines noch gar nicht vor. Das Wandern nämlich. Auch hier kann der Verein mit Stolz auf seine lange Tradition zurückblicken. Obwohl sich der Wanderplan mittlerweile ein wenig verändert hat und z. B. zu Nachtwanderungen, Tag der Umwelt, Sommernachtsfest und Weitwanderung eingeladen wird könnte ein Wanderplan aus dem Jahr 1907, also dem 1. Jahr nach der Gründung, durchaus auch als Hauptbestandteil des Wanderplanes 2006 herhalten.  

Gimmeldingen – Silbertal – Alte Schanze – Langenberg – Buchental – Luitpoldshain – Gimmeldingen, eine 4 Stundenwanderung, durchgeführt am 27. Januar 1907;
Weissenburg – Germannshof – Weglenburg – Hohenburg – Löwenstein – Fleckenstein – Wasigenstein – Obersteinbach – Schöneck – Windstein – Jägertal - Fröschweiler – Wörth, waren die Stationen einer 2 – tägigen Pfingsttour am 19. und 20. Mai ebenfalls 1907.
und Gimmeldingen – Haardt – Wolfsburg – Hohfels – Weinbiet – Loosenbrunnen – Gimmeldingen, durchgeführt am 25. August 1907, scheint ein Klassiker zu sein, der wohl immer mal wieder und auch in Zukunft Bestandteil eines typischen Gimmeldinger Wanderplanes sein wird.

Ich weiss nicht wie viele zig 1000de von Kilometern in den vergangenen Hundert Jahren erlaufen wurden. Es wäre auch einmal ganz interessant zu wissen wie viele Schuhe dabei verschlissen wurden, wie viele gekochte Eier vertilgt wurden, wie viel Tonnen Leber und Blutwurst, wie viel Hektoliter Wein verkonsumiert wurden. Ich glaube da kommt einiges zusammen. Der Pfälzerwaldverein als Wirtschaftsfaktor, auch eine durchaus interessante Betrachtungsweise. Solche Erhebungen anzustellen, überfordert jedoch einen jeden Berufstätigen und gehört nicht unbedingt zur Chronistenpflicht.

Trotz einer gewissen Beständigkeit und Tradition hat sich im Verlauf der Jahre der Wanderbetrieb verändert und den jeweiligen Umständen neu angepasst. Mittwochswanderungen für rüstige Senioren, Junge Familie, Naturschutzwanderungen und vieles mehr. Darüber hinaus ist der Verein im Internet präsent, gibt eine Vereinszeitschrift heraus, unternimmt sonst allerlei Aktionen, bis hin zur Teilnahme mit Ausschankstellen an Gimmeldinger Festlichkeiten. Ein Verein also, der von seiner Struktur her eher der Tradition verpflichtet ist und andererseits die Veränderung integriert, ohne das eigentliche Anliegen und den eigenen Anspruch  aus den Augen zu verlieren.

Und dann, beim Fußball würde man sagen die dritte Halbzeit. Geselligkeit, die gehört natürlich dazu, in Gimmeldingen jedoch scheint mir dies, auch wahrscheinlich aus der Tradition heraus, sehr ausgeprägt zu sein.  Solange man keine gesundheitlichen Schäden davon trägt, nicht nur legitim sondern es fördert sogar den Zusammenhalt und sollte als sozialer Beitrag in unserer heutigen Gesellschaft nicht unterschätzt werden. Ich könnte jetzt noch einige Anekdoten einflechten, zumindest für die Jahre ab 1964 bis Ende der 80er Jahre, meine aktive Zeit im PWV – Gimmeldingen, da würde mir so manches einfallen. Aber das überlasse ich Ihnen, denn Sie sollen ja heute Abend auch noch ein wenig in lustigen und schönen Erinnerungen schwelgen.

Meine sehr verehrten Damen und Herren,
lassen Sie mich zum Abschluss noch auf ein wichtiges äußeres Zeichen des Pfälzer Waldvereines hinweisen, dem goldenen Wanderabzeichen. Das Wanderabzeichen ist ein eingetragenes Warenzeichen für den Pfälzer Waldverein, eingetragen in der Warenzeichenrolle des Reichspatentamtes Berlin unter der Nr. 91 504, Akt.Zei.: P 5010 Klasse 28, im Jahre 1903 und  Otto Volker, ein Wanderfreund der das erste vom Pfälzer Waldverein errichtete Bauwerk, den Stabenbergturm, entworfen hat, kleidete nach Erschaffung des Vereinsabzeichens seinen Beitrag dazu in folgende treffliche Worte:

Zwar ist im schönen Pfälzer Land der Wald gar sehr verschieden.
Ein vielgestaltet grünes Band hat die Natur beschieden.
Dort zieht entlang ein Buchenwald den burggekrönten Rücken,
dort Tannen – mancherlei Gestalt – die von den Höhen blicken.
Auch Ahorn, Dorn und Birke steht in diesem Waldbereiche,
doch in den Waldesherzen weht „die starke deutsche Eiche.
“Drum wäre für den Pfalzverein die Lösung bald gegeben,
es könnte wohl nichts schöner sein, als Eichenlaub zu nehmen.
Doch weiter noch:
Die Pfalz an unsrem deutschen Rheine ist löblich überall bekannt,
wer hörte nicht vom Pfälzer Weine in unsrem lieben Vaterland?
Wer würde nicht zur Herbsteszeit durchwandern Weingefilde,
wer würde sich nicht jederzeit erfreun an diesem Bilde?
Und ziehn wir aus und ziehn wir heim aus Wald und Höhen wieder,
uns grüßet überall der Wein – auch labt er unsre Glieder -
Vom Bergesrand bis in die Felder da wachsen goldene Reben
und unsre Höhen unsre Wälder sind rings vom Rebenlaub umgeben.
Drum lasst uns Eichenlaub und Wein zu einem Strauße winden,
ich wüsste für den Pfalzverein nichts Schöneres zu finden.
„Eichenlaub und Wein zu einem Strauß gewunden!“

In diesem Gedicht von Otto Volker ist all das besungen, was ein echter Pfälzer Wäldler nicht nur am Stock, am Reverse oder am Hut tragen sollte, sondern auch im Herzen. Dann wird die Erfolgsgeschichte Pfälzer Waldverein immer und immer fortgeschrieben werden. Dann schlagen wir ein erneutes Kapitel auf und legen den Grundstein für die nächsten 100 Jahre.

Herzlichen Glückwunsch Pfälzerwaldverein Gimmeldingen,
Wald Heil und Gottes Segen!

Bericht: Georg Dürrschmidt, Landrat von Oberspreewld-Lausitz - April 2006;
Bilder: Uwe Rinka, Bernd Lorenz, Dieter Neuwald April 2006

 

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